Porzellan regional
 
Porzellan aus unserer Region - Sonderausstellung im Stadtmuseum "Alte Suptur" in Stadtroda 2026

Porzellanmanufaktur Burgau an der Saale

    F. Stelle
  • Gegründet 1900 durch Ferdinand Selle, Kaufmann aus Leipzig.
  • Fertigung von „modernem“ Porzellan anfangs nach Entwürfen des Inhabers. Zum ersten Modell „Form 1902“ kann man aus 140 Formteilen wählen. Verfügbar sind 39 Dekore, alle in Unterglasur.
  • Henry van de Velde nennt in einem Spezialbericht über die Porzellanherstellung im Großherzogtum Weimar die Manufaktur die erste Fabrik, deren Betrieb einzig auf die Fabrikation von Gegenständen im modernen Stil gerichtet ist.[1]
  • In schneller Folge werden Porzellanserien mit neuen Formen und Dekoren auf den Markt gebracht. Scheinbar spielerisch bewältigt Selle die Leitung der Fabrik, die künstlerische Entwurfstätigkeit und den Vertrieb.
  • Selle ist seit 1908 Mitglied im Deutschen Werkbund, einer Reformbewegung, die sich u.a. eine bessere Formgebung von Gebrauchsgegenständen in der kunstgewerblichen Industrieproduktion zum Ziel gesetzt hat.
  • Da in der Kunstszene gut vernetzt, gewinnt der Firmenchef namhafte Künstler wie Albin Müller, Fia und Rudolf Wille sowie Herny van de Velde für Porzellanentwürfe.
  • Neben zahlreichen Preisen und Anerkennungen ist eine Goldmedaille auf der Weltausstellung in Brüssel 1910 für ein Kaffeegedeck der prominenteste Erfolg.
  • 1915 stirbt Ferdinand Selle unerwartet. Die Firma wird von seiner Witwe Anna Agnes Selle, dem ersten Maler der Manufaktur sowie dem Prokuristen noch über 14 Jahre weitergeführt. Die Weltwirtschaftskrise besiegelt 1929 das Ende des Werkes.
 
BPM
  • In den 28 Jahren der Firmengeschichte werden 16 verschiedene Formserien mit über 1.000 Formteilen und insgesamt 184 Dekoren in Burgau entwickelt. Auch international dürfte die Firma in ihrer relativ kurzen Geschichte eine der innovativsten und auch stilprägenden Porzellanfabriken gewesen sein.
  • Ihr größtes Verdienst ist, dass sie hochwertige Produkte mit modernem Design einer breiten Käuferschicht verfügbar gemacht hat [2].
  • Für das Fabrikgebäude gab es wechselnde Nutzungen. Zuletzt war es in den 60er Jahren Studentenwohnheim. In den 70ern wurde es abgerissen, um für den neuen Jenenser Kraftwerkskomplex Platz zu schaffen. Heute stehen dort die beiden großen Blockheizkraftwerke der TEAG.
 
Teller

Ouellen:
[1] Volker Wahl (Hrsg.) Henry van de Velde in Weimar. Dokumente und Berichte zur Förderung von Kunsthandwerk und Industrie (1902 bis 1915), Weimar 2007, S. 118 – 125
[2] Birgitt Hellmann (Hrsg.), Porzellanmanufaktur Burgau a.S. Ferdinand Selle, Werkkatalog, Jena 2020

Zusammengestellt von Dr. Dieter Grützmann.
Bearbeitet 03/2026 von Peter Sperrhake.